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Körperliche Ursachen von Erektiler Dysfunktion

In 60 Prozent der Fälle sind körperliche Ursachen der Auslöser einer erektilen Dysfunktion. Bei der Erforschung von körperlichen Ursachen von Erektiler Dysfunktion haben Medizin und Forschung in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht. Ein großes Spektrum an Grunderkrankungen, die zu Potenzproblemen führen können, sind heute bekannt. Leider hat sich dieses Wissen bislang noch nicht durch alle Medizinbereiche weiterverbreitet. Und so kommt es immer wieder vor, dass zahlreiche Fachärzte über diese Begleiterkrankung noch nichts wissen oder sich scheuen, es anzusprechen. Als Patient sollte man dieses Problem unbedingt zur Sprache bringen. Sehr oft kann dieses Problem bereits durch die Wahl der richtigen Medikamente behoben werden.

Lange Zeit hat man die erektile Dysfunktion in zwei Kategorien unterschieden: organisch oder psychisch. Heute ist man sich einig, dass nur ein kleiner Prozentsatz rein psychogen oder somatogen verursacht wird. Der überwiegende Anteil der Erektionsstörungen hat mehrere Ursachen. Biologische, psychische, interpersonelle und kulturelle Faktoren spielen in der Regel zusammen. Während in jungem und mittlerem Alter psychische Ursachen häufiger sind, spielen mit zunehmendem Alter organische Wirkfaktoren eine immer größere Rolle.

Organische Ursachen für die erektile Dysfunktion sind oftmals Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Operationen, Verletzungen am Schwellkörper, aber auch Folgen von langjähriger Einnahme von Suchtmitteln oder Drogen wie Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Dabei kommt es zu Schädigungen von Blutgefäßen oder Schwellkörpern. Eine Auswahl an körperlichen Ursachen die zu einer Eriktilen Dysfunktion führen können:

Arterienverkalkung, Herzkrankheiten

Die elastischen und muskulösen Arterien beginnen schon sehr früh zu altern. Bereits bei 20 jährigen sind erste Veränderungen feststellbar. Die Adern werden immer dicker und weniger flexibel, in ihrem Inneren kleben sich Fettstoffe an und bilden sogenannte Plaques an den Wänden. So entstehen mit der Zeit Engstellen, die schließlich zur totalen Verstopfung führen können. Geschieht das in den Arterien, die den Penis versorgen, wird die Erektionsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Ohne ausreichenden Zustrom von arteriellem Blut kann sich das männliche Organ nicht mehr aufrichten. Im Schnitt machen sich die Folgen der Arterienverkalkung ab dem 50. Lebensjahr für viele Männer unangenehm bemerkbar.

Bei jedem dritten Mann mit Potenzproblemen liegt eine Störung der Blutversorgung vor. Meist stellen sich die Probleme langsam ein. Typisch sind sogenannte "Anlaufschwierigkeiten", es dauert immer länger, bis das Glied wie gewünscht auf erotische Reize reagiert. Verschließen sich Becken- oder Penisgefäße allmählich, versucht sich der Körper zwar durch zusätzliches Wachstum von Arterien zu helfen. Da für eine gelungene Erektion die Steigerung des Blutflusses auf das 700 fache und eine 25mal höhere Fließgeschwindigkeit notwendig sind, bleibt die Erektionsfähigkeit aber trotz dieser Umgehungskreisläufe eingeschränkt. Als Warnhinweis, dass etwas mit der Blutzufuhr nicht in Ordnung ist, kann gelten, wenn die nächtlichen und morgendlichen Spontanerektionen ausbleiben und der Penis auch durch Masturbation nicht mehr wirklich steif wird. Wenn die erektile Impotenz dagegen schlagartig, von heute auf morgen auftritt, deutet das meist auf einen akuten Gefäßverschluss (Thrombose) hin, bei dem sich noch keine neuen Blutgefäße gebildet und alternative Wege gebahnt haben.


In der Folge können diese Arterienverkalkungen aber nicht nur zu Potenzproblemen, sondern auch zu den typischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Immerhin 39 Prozent der männlichen Herzkranken haben auch Schwierigkeiten bei der Erektion.

Die Risikofaktoren sind daher die selben wie für das Herz:

Nikotinkonsum

Prozent der Patienten, die wegen der Impotenz einen Arzt aufsuchen, haben jahrelang mehr als 20 Zigatetten täglich geraucht. Auch bei iungen Rauchern können bereits Gefäßveränderungen an den Penisarterien vorhanden sein.

Erhöhte Blutfettwerte, Cholesterinämiet

Chronische Nierenschwäche

Diabetes

Bluthochdruck

45 Prozent der wegen erektiler Dysfunktion behandelten Männer haben einen erhöhten Blutdruck. Allerdings sind Erektionsstörungen auch Nebenwirkung vieler Medikamente gegen Bluthochdruck. Wenn mehrere Risikopotentiale zusammenkommen, steigt die Gefahr für die gefäße enorm: Bei zwei Risikofaktoren steigt sie auf das Vierfache, wenn drei gleichzeitig vorkommen, besteht das achtfache Risiko einer Arterienverkalkung. Vorbeugend können Männer auf eine gesunde, ballaststoff- und vitaminreiche, aber fett- und salzarme Kost setzen. Vor allem der Verzicht auf das Rauchen und sportliche Betätigung wirken sich günstig aus. Radfahren scheint allerdings nicht der geeignete Fitmacher zu sein: Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass häufiges Radfahren die Potenz gefährden kann, weil die meisten Radsättel auf die zuführenden Arterien drücken. Jeder hundertste Freizeitradler hat Erektionsprobleme. Zwar liegt das deutlich unter dem Bevölkerungsdurchschnitt von rund zehn Prozent - allerdings sind in dieser Gruppe deutlich mehr junge und gesundheitsbewußte Männer zu finden.

Was Sorgen macht: Bei der Untersuchung war ein deutlicher Zusammenhang zwischen Potenzproblemen und Pedalfrequenz herstellbar. Je häufiger und länger die untersuchten Personen auf dem Fahrrad unterwegs waren, desto größer war die Anzahl der Betroffenen. Arterielle Erektionsstörungen können vom Arztdurch Ultraschall oder röntgenologisch mittels Gefäßdarstellung sichtbar gemacht werden. Wenn es trotz Injektion einer gefäßerweiternden Substanz in den Penis wesentlich länger als zehn Minuten bis zum Eintritt einer vollständigen Erektion dauert, kann das ein Alarmzeichen sein.

Ist eine Engstelle oder ein Verschluß lokalisiert, können Gefäßchirurgen mit einer Art Bypass (penile Revaskularisation) den Blutfluß umleiten oder ein körpereigenes Gefäßstück verpflanzen. Allerdings sind solche drei- bis sechsstündigen Operationen und die folgende Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten sehr belastend. In vielen Fällen verschließen sich die "Umleitungen" zudem schon nach kurzer Zeit wieder - dann kehrt die Impotenz wieder zurück.

Venöses Leck

Normalerweise bewirkt der Anstrom von arteriellem Blut in die Schwellkörper, dass die Venenabflüsse wie mit einem Ventil beinahe verschlossen werden und das hineingepumpte Blut im abgeschlossenen Behälter, den Schwellkörpern, gehalten wird.

Erst diese Abflußblockade ermöglicht die vollkommene Versteifung des Penis. Wird der Penis zwar größer und länger, aber nicht steif genug, kann das bedeuten, dass der Zustrom zwar funktioniert, aber das eingepumpte Blut unverzüglich über die Venen in ebenso großer Menge wieder abtransportiert wird. Mediziner nennen dieses Problem venöses Leck oder "cavernöse Insuffizienz", was soviel wie Funktionsuntüchtigkeit des Schwellkörpergewebes heisst. Nur selten ist diese Schwäche der Schwellkörper angeboren. Viel häufiger stellt sich das Problem im Alter zwischen 40 und 70 Jahren ein. Nur etwa ein Drittel der Männer aus dieser Gruppe hat ausschließlich ein venöses Leck, in zwei von drei Fällen tritt es in Kombination mit den Problemen durch Arteriosklerose auf. Die Ursache ist auch tatsächlich dieselbe: Wie in den Arterien lagern sich auch zwischen den kleinen Muskeln der Schwellkörper Verkalkungen und Fette an. Die Schwellkörper büßen dadurch ihre Elastizität ein und können die ableitenden Venen nicht mehr richtig abdrücken.

Ob ein venöses Leck schuld an der mangelnden Standfestigkeit des Penis ist, lässt sich durch Untersuchunsen abklären. Auf Röntgen- oder Ultraschallaufnahmen lässt sich der durch ein Kontrastmittel sichtbar gemachte Blutfluß darstellen. So kann genau lokalisiert werden, wo das Blut ungehindert wieder abfließt. Einmal entstandene Lecks werden von selbst nicht wieder dicht. Liegt das Leck an einer leicht zugängIichen Stelle, kann eine operative Unterbrechung oder Abschnürung dieser Vene (Venenligatur) die Fehlfunktion beheben. Allerdings ist die Erfolgsrate der Venenchirurgie mäßig. Nur jeder dritte Patient kann von seinem Problem befreit werden, weil die erektile Dysfunktion sehr oft mehr als nur eine Ursache hat. So muss etwa schon vor der Operation ausgeschlossen werden, dass auch der arterielle Zufluß beeinträchtigt und schon deshalb keine Erektion möglich ist. Manchmal genügt es auch schon, einen festen Spannungsring um die Peniswurzel zu legen, der hilft, das Blut in den Schwellkörpern zu halten. Nachteil: Der Penis fühlt sich kühl an und wackelt an der Wurzel, weil hinter dem Ring die Steife fehlt. Mit dieser Abschnürung sollte der Erfolg aber nicht Iänger als 30 Minuten konserviert werden, weil es sonst wegen der mangelnden Blutzufuhr zu einer Schädigung des Gewebes kommen kann.

Schwellkörperleck

Als Schwellkörperlecks werden undichte Stellen direkt an den Schwellkörpern bezeichnet. Sie können durch eine Verletzung eines Schwellkörpers entstehen oder durch die Operation einer "Induratiopenis plastica", einer krankhaften Verhärtung des Bindegewebes, verursacht werden. Manchmal ist das Schwellkörperleck aber auch Folge einer krankhaften Dauererektion (Priapismus), die medikamentös nicht zu beheben war. Dann muss der Arzt das Blut aus dem Schwellkörper mit einem sogenannten Shunt - einer Art Kurzschluß zwischen arteriellem und venösem Blut - ableiten. Dieses künstlich herbeigeführte Schwellkörperleck führt häufig zu bleibender Impotenz. Nur jeder zweite Priapismuspatient behält nach einer solchen Operation seine Erektionsfähigkeit. Schwellkörperlecks lassen sich operativ relativ sicher wieder schließen. Meist werden sie dabei mit Goretex oder einem Stück Vene aus einer anderen Körperstelle verschlossen.

Diabetes

Jeder zweite männliche Zuckerkranke entwickelt im Verlauf seiner Erkrankung mehr oder minderschwere Erektionsstörungen. Das sind nach Schätzungen allein in Deutschland bis zu eineinviertel Millionen Betroffene. Weil Impotenz nach wie vor ein Tabuthema ist, gilt sie als die "mit Abstand am wenigsten erforschte, diagnostizierte und therapierte Folgekomplikation von Diabetes", wie das medizinische Fachbuch "Erektile Dysfunktion" anmerkt. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Betroffenen getraut sich, das private Problem beim Arzt überhaupt anzusprechen, und noch weniger Betroffene versuchen, über die Gründe ihres Versagens Klarheit zugewinnen und sich nach therapeutischer Hiife zu erkundigen. Dass auch das medizinische Personal das Tabuthema übergeht, komplettiert die fatale Situation. Aber je länger die Zuckerkrankheit besteht, desto wahrscheinlicher werden Erektionsstörungen. Männer, die seit mehr als zehn Jahren zuckerkrank sind, haben deutlich häufiger Potenzprobleme als der Rest der Bevölkerung.

Meist beginnt dieser Prozess langsam, schreitet dann aber chronisch fort: Der Penis wird nicht mehr so fest wie gewohnt und bleibt es auch nicht mehr so lange. Schließlich versagt das Organ hin und wieder völlig. Meist dauert es dann nur ein Jahr, bis die Fähigkeit zur Erektion ganz verloren geht. Bei vielen Patienten vermindert sich auch die Lust auf den Geschlechtsverkehr und der Grad der sexuellen Befriedigung und Erregbarkeit. Impotenz kann manchmal auch das erste Anzeichen für eine beginnende Diabetes sein. Bei etwa zwölf Prozent der Patienten stellt sich der Verlust der Erektionsfähigkeit schlagartig ein. Bei kaum einer anderen Krankheit sorgen so viele verschiedene Faktoren gleichzeitig für eine Schwächung der Erektionskraft wie bei Diabetes. Das komplizierte Zusammenspiel der venösen, arteriellen, nervalen und Schwellkörperfunktionen zur Erektion des Penis wird empfindlich gestört: Durch den unzureichenden Abbau des Zuckers häufen sich giftige Stoffwechselprodukte im Blut an. Sie schädigen die Zellen der Blutgefäße. Die feinen Rankenarterien des Penis verschließen sich in der Folge (Mikroangiopathie). Ungenügender Blutzufluß verhindert dann das Steif werden des Penis.

Der mit der Diabetes häufig einhergehende Bluthochdruck wiederum kann die großen zuführenden Arterien schädigen (Makroangiopathie) und so den Zustrom von frischem arteriellem Blut bremsen. Auch Neuropathien (Nervenerkrankungen) sind typische Folgeerscheinungen der Zuckerkrankheit, die Impotenz bewirken können. Die giftigen Stoffwechselprodukte schädigen die Nähr- und Hüllzellen der Nervenfasern. Durch die mangelnde Sauerstoffversorgung der Penisnerven über die verstopften kleinen Blutgefäße werden die Nervenleitungen noch zusätzlich beeinträchtigt. Mit den bei Diabetes üblichen chronischen Nierenproblemen rundet sich schließlich das fatale Gesamtbild. Die giftigen Abbauprodukte des Zuckers greifen die feinen Blutgefäße in den Nieren an, diese versagen zunehmend. Wahrscheinlich wird dadurch auch die dort stattfindende Produktion der männlichen Sexualhormone eingeschränkt, was die Erektionsfähigkeit noch weiter beeinträchtigt. Und die Vielzahl an Medikamenten, die Diabetiker einzunehmen haben, kann das Potenzproblem noch weiter verstärken. Wenn sich am Beginn der Zuckerkrankheit Probleme beim Verkehr einstellen, ist noch nicht alles verloren. Meist kehrt die Manneskraft wieder wenn der Blutzuckerwert durch strenge Diät und Medikamente wieder gesenkt werden kann. Sicherlich kann jede noch so kleine "Sünde" das fragile Gleichgewicht wieder umwerfen. So vermag schon eine üppige Sahnetorte am Nachmittag für nächtliche Frustration zu sorgen.

Je disziplinierter die Betroffenen ihre Diät einhalten und die Kohlenhydrate in ihrer Ernährung einschränken, desto länger lassen sich die Folgekomplikationen der Stoffwechselerkrankung, und damit auch die Impotenz, hinauszögern. Das bestätigt auch eine englische Studie, die neun Jahre lang zwei Gruppen von insulinpflichtigen Zuckerkranken beobachtet hat. Die eine Grupper war auf zwei Injektionen pro Tag fix eingestellt, die andere Gruppe führte nehrmals täglich selbständig Kontrollen durch und spritzte für den jeweils gemessenen Zuckerwert die benötigte Menge Insulin. Das Ergebnis ist überzeugend: Bei der Gruppe, die Insulin nach Bedarf spritzte und so ihren Blutzuckerwert sehr genau an der Norm hielt, war das Risiko, an den typischen Folgeerkrankungen zu leiden, fünfmal geringer als in der Kontrollgruppe.

Verbreitung, sozialmedizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung

Jahr Menschen mit Diabetes weltweit
(Schätzintervall)
Anteil an der Weltbevölkerung Schätzung Quelle
1980 153 Millionen (127–182)     Global Burden of Metabolic Risk Factors of Chronic Diseases Collaborating Group
1994 110 Millionen 2010: 239 Millionen International Diabetes Institute
1995 135 Millionen 2025: 299 Millionen WHO
2000 150 Millionen 2025: 300 Millionen
2003 194 Millionen 5,1 % 2025: 333 Millionen (6,6 %) IDF Diabetes Atlas 2003
2006 246 Millionen 6,0 % 2025: 380 Millionen (7,3 %) IDF Diabetes Atlas 2006
2008 347 Millionen (314–382)     Global Burden of Metabolic Risk Factors of Chronic Diseases Collaborating Group
2010 285 Millionen 6,4 % 2030: 439 Millionen (7,7 %) IDF Diabetes Atlas 2009
2013 382 Millionen 8,3 % 2035: 592 Millionen IDF Diabetes Atlas 2013

Unfälle, Operationen. Penisbruch

Unfälle können zum Verlust der Erektionsfähigkeit des Penis führen, wenn die Sexualzentren im Kopfbereich, das Rückenmark, die Beckenregion oder der Penis selbst von den Verletzungen betroffen sind. Im Gehirn steuern die Schläfenlappen und das sogenannte limbische System, eine unter anderem für Sexualität zuständige Region tief im Gehirn, die Erektion des Penis. Werden Teile davon bei einem Schädel-Hirntrauma verletzt, geht auch die Erektionsfähigkeit verloren. Bei Stürzen oder Verkehrsunfällen kann es zu einem Bruch des Rückgrats kommen. Eine Verletzung des im Rückgrat verlaufenden Rückenmarks unterbricht auch die Nervenleitung zum Penis, die Signale aus dem Gehirn können nicht mehr weitergeleitet werden, so dass jede erektile Aktivität vor erst unterbunden ist.

Manchmal erholt sich das Rückenmark nach Tagen bis Monaten wieder, und die Erektionsfähigkeit kehrt zurück. Quetschungen und Brüche des Beckens gefährden die Potenz, wenn dabei wichtige Nerven und Blutgefäße zerstört werden. Vor allem der Dammbereich gilt als sensibel: Wird der dort verlaufende, für die Erektionssteuerung wichtige Schamnerv gedehnt oder gar durchtrennt, sind Potenzprobleme kaum zu vermeiden. Zu Schädigungen der Nerven und Adern kann es aber auch durch Operationen im Becken- und Dammbereich kommen. Die zu den Schwellkörpern verlaufenden Nerven werden sehr häufig dauerhaft geschädigt, wenn der Mastdarm, die Prostata oder die Blase wegen einer Krebserkrankung entfernt werden muss. Eine sehr informative Internetseite über die Prostata (Funktionen, Krankheiten) finden Sie auf die-prostata.com.

Wie bei den unfallbedingten Nervenschädigungen kommt es manchmal auch nach Operationen zur natürlichen Regeneration. Wenn allerdings nach eineinhalb Jahren noch keine Besserung eingetreten ist, kann nicht mehr mit einer Heilung gerechnet werden. Auch wenn der menschliche Penis - anders als bei manchen Säugetierarten - keinen Knochen hat, kann der erigierte, harte Penis dennoch "brechen". Allzu heftige Selbstbefriedigung, Abknicken während der nächtlichen Erektionsphasen oder während des Beischlafs können zum Penisbruch führen. Dabei kommt es zu einem Einriß der festen Schwellkörperhaut, das Blut aus den prallen Schwellkörpern gelangt unter die Penishaut. Der Penis bricht mit einem hörbaren Knacken, ein stechender Schmerz breitet sich aus. Der ausgeprägte Bluterguß läßt das dunkel verfärbte männliche Sexualorgan bis auf die zwei- bis dreifache Größe anschwellen. Tritt Blut aus der Eichelspitze, ist die Harnröhre ebenfalls eingerissen. Gegendruck mit der Hand und Kühlung mit Eispackungen sind die notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen, bis die KIinik erreicht ist und die gerissene Schwellkörperhaut genäht werden kann.

Nicht immer verlaufen Penisbrüche so dramatisch. Bei einem sogenannten latenten Penisbruch kommt es zu keinem sichtbaren Bluterguß, und der Schmerz währt nur kurz. Auch in solchen Fällen empfiehlt sich aber in jedem Fall eine Abklärung durch den Arzt. Unbehandelt können auch kleinere Verletzungen an der Schwellkörperhaut zu Fehlbildungen des erigierten Gliedes führen. Häufig entstehen nach dem traumatischen Ereignis Ablagerungen und Verhärtungen im Schwellkörper. Die Folge sind Penisverbiegungen und Erektionsstörungen, denen nur mit einer Penisprothese abgeholfen werden kann.

Nervenerkrankungen

Fast alle neurologischen Erkrankungen können die Nervenversorgung des Penis und damit die erektile Funktion beeinträchtigen - unabhängig davon, ob der Schaden an den Nerven durch Entzündungen oder Tumorerkrankungen entsteht, durch die Wirkung von Giften im Körper, durch Unfälle, Operationen oder eine nicht erkennbare Ursache. Wenn die Kommunikation zwischen den Sexualzentren im Gehirn, den beiden Erektionszentren im Rückenmark und dem Ausführungsorgan Penis nicht mehr funktioniert, wie sie es soll, bleibt die Erektion aus. Wie hoch der Anteil der Nervenerkrankungen und -schädigungen an der erektilen Dysfunktion ist, lässt sich nur sehr ungenau beschreiben. Die Angaben schwanken zwischen zehn und 20 Prozent. Manche Experten vermuten, dass der tatsächliche Anteil deutlich höher liegt, weil neurogen bedingte Impotenz nur mit großem Aufwand diagnostizierbar ist.

Neurologische Krankheiten, die Erektionsstörungen verursachen können:
  • Nervenerkrankungen (Polyneuropathie)
  • Nervenwurzelentzündung
  • Entzündungen der Rückenmarkswurzeln (Polyradikulitis)
  • Querschnittlähmung
  • Nervenverletzungent
  • multiple Sklerose (über 90 Prozent der Erkrankten sind impotent)
  • Parkinsonsche Krankheit
  • Gehirnblutung oder -schwellung
  • Schläfenlappen-Epilepsie
  • Neurolues (unbehandelte Syphilis im Spätstadium)
Die wohl häufigste Ursache der neurogenen Potenzstörung sind Schädigungen des direkt zum Penis führenden Schamnervs durch eine Neuropathie, die durch Zuckerkrankheit, ein chronisches Nierenleiden oder Alkoholmissbrauch ausgelöst werden kann. Der Schamnerv trägt normalerweise zur Aufrechterhaltung der Erektion bei, indem er die Beckenboden- und Penismuskulatur anregt. Rückenmarksverletzungen oder Bandscheibenvorfälle können ebenfalls verantwortlich für die neurologischbedingte Impotenz sein. Die akute Phase des "spinalen Schocks" kann Stunden, meist aber mehrere Wochen andauern. In seltenen Fällen kehrt die Potenz sogar erst nach 18 Monaten wieder zurück. Eher selten führen Verletzungen oder Erkrankungen des Gehirns zu Problemen bei der Erektionsfähigkeit, und zwar wenn die Sexualzentren im sogenannten limbischen System oder in den Schläfenlappen betroffen sind. Ärzte können die Funktionsfähigkeit des für die Erektion verantwortlichen Nervensystems prüfen, indem die sogenannte Latenzzeit zwischen der elektrischen Stimulation und der Reaktion der Beckenbodenmuskulatur gemessen wird. Reagiert der Nerv zu langsam, deutet das auf eine Schädigung des Nervs hin. Anfangs kann die neurogen bedingte Impotenz noch sehr gut mit SKAT-Injektionen behoben werden. Je länger aber die Nerven geschädigt sind, desto schlechter spricht die Injektion von gefäßerweiternden Substanzen an, weil es im Lauf der Zeit wegen der Nervenschädigung zu einer Funktonsunfähigkeit der glatten Schwellkörpermukulatur kommt. Die vielen kleinen Muskeln im Schwellkörper sind aber der ,,Motor" der Erektion.

Große Hoffnungen bei dieser Form der Erkrankung setzen Therapeuten auf die noch nicht weit verbreitete Elektrostimulation, mit der die Schwellkörpermuskeln durch elektrische Reizung regelmäßig trainiert werden sollen. Allerdings verlangt die Behandlung Geduld. Erst nach sechs bis neun Monaten eifrigen Trainings kehrt die Erektionsfähigkeit- zumindest mit SKAT-Injektion - zurück.

Nikotin, Alkohol und Drogen

Erworbene Erektionsstörungen treten überwiegend nach dem 35. Lebensjahr auf, gehäuft im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Einer der Gründe, warum mit steigendem Lebensalter die Fähigkeit zur Erektion verlorengehen kann, liegt im Lebensstil der Betroffenen. Regelmäßiges Trinken und Rauchen über Jahre hinweg, aber auch harte Drogen hinterlassen ihre Spuren im Körper. Harte Drogen wie Heroin und Kokain sind durch ihre Wirkung auf das Zentralnervensystem besonders zerstörerisch. Aber auch Nikotin ist ein starkes Gift, welches das gesamte Nerven- und Gefäßsystem angreift. Experimente zeigen, dass schon zwei Zigaretten vor dem Sex den Blutzustrom in die Schwellkörper deutlich verringern. Tierversuche belegen, dass bei der Inhalation von Nikotin die Entspannung der glatten Muskeln im Schwellkörper des männlichen Sexualorgans ausbleibt. Werden die glatten Muskeln durch chronischen Nikotinmißbrauch dauernd an ihrer Funktion gehindert, beginnen sie sich zurückzubilden. Auch wenn die Signale aus den Sexualzentren im Gehirn durch die Schädigung der Nervenleitung den Penis nicht mehr erreichen, wird das Schwellkörpergewebe nachweislich dauerhaft geschädigt. Je stärker der Grad der Zerstörung, desto geringer ist die Chance, nach dem Aufgeben des Rauchens die Erektionsfähigkeit wiederzuerlangen. 80 Prozent der Patienten in einem deutschen Impotenzzentrum waren laut einer Studie starke Raucher. die mehr als 20 Zigaretten pro Tag konsumierten.

Auch der regelmäßige Genuß der gesellschaftlich akzeptierten Droge Alkohol greift den Körper nachhaltig an. Die Giftwirkung des Alkohols schädigt die peripheren Nerven und das Blutgefäßsystem. Auch die Hormonlage verändert sich ungünstig: Alkoholiker "verweiblichen", weil das Gleichgewicht zwischen Testosteron und Östrogen gestört und der Prolaktinspiegel erhöht ist. Zusätzlich wirken bei der Impotenz durch chronischen Alkoholmißbrauch immer auch psychische Faktoren mit.

Hormonstörungen

Wie oft Hormonmangel zu Potenzproblemen führt, ist unter Experten umstritten. Während die einen dem Testosteronmangel in zwei bis sechs Prozent der Fälle die Schuld geben, messen andere dieser Ursache noch geringere Bedeutung zu. Bei jungen Männern ist Testosteronmangel sehr selten. Mit dem Alter nimmt der Hormonspiegel im Blut ab. Bei den meisten alten Männern bleibt die Erektionsfähigkeit dennoch intakt. Bei überdurchschnittlichem Rückgang kann es sein, dass die Rolle, die das Testosteron bei der Erregungsausbreitung im Nervensystem spielt, gestört wird. Außerdem haben Wissenschafter herausgefunden, dass Testosteronmangel die Zellen in den Schwellkörpern absterben lässt. Früher wurden nahezu alle Fälle von Potenzstörungen generell mit Testosterongaben behandelt. Weil aber nur bei einem kleinen Teil der Männer tatsächlich Hormonmangel Ursache der Potenzstörung ist war die Erfolgsrate dementsprechend gering. Heute wird Testosteron nur dann eingesetzt, wenn ein überdurchschnittlicher Hormonmangel durch Laboruntersuchungen festgestellt wurde.

In diesen Fällen kehrt mit der Hormontherapie auch die Fähigkeit zur Erektion wieder. Manchmal ist auch eine Überproduktion des Hormons Prolaktin Ursache der Impotenz. Das von der Hirnanhangdrüse abgegebene Hormon regt bei der Frau die Milchproduktion an. Durch Erkrankungen.der Drüse kann es aber auch beim Mann zur Ausschüttung von Prolaktin kommen, das seinerseits die Testosteronproduktion hemmt. Häufig kommt die Prolaktinüberproduktion aber als Nebenwirkung von Medikamenten wie butdrucksenkenden Arzneimitteln, Neuroleptika und Antidepressiva vor. Ein Medikament, das die Prolaktinausschüttung hemmt, kann Abhilfe schaffen.

Die häufigsten körperlichen Ursachen für Impotenz

Erkrankungen der Blutgefäße
33 Prozent
Diabetes
26 Prozent
Erkrankungen der Nevernsysteme
11 Prozent
Unfälle und Operationen
10 Prozent
Medikamenteneinnahme
8 Prozent
Nikotion, Alkohol, Drogen
7 Prozent
Hormomstörungen
6 Prozent

Wie oft welche Krankheiten zur totalen Impotenz führen

Schlaganfall
85 Prozent
Dialysepflichtige Nierenkrankheit
26 Prozent
Multiple Sklerose
11 Prozent
Chronische Nierenschwäche
10 Prozent
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
8 Prozent
Diabetes
7 Prozent