Beckenbodentraining gegen Impotenz

Die Erektion des männlichen Gliedes ist ein komplexer Prozess, bei dem mehrere Faktoren zusammenpassen müssen. Neben seelischen Faktoren, wie z. B. Stress oder Überlastung, kommen organische Gründe hinzu. Da ist z. B. Übergewicht oder mangelnde sportliche Ausdauer zu nennen. Eine einzige Ursache kann schon eine ausreichende Schwellung verhindern. Ist der Mann ansonsten gesund, ist eine gut trainierte Beckenbodenmuskulatur eine wichtige Randbedingung für eine kraftvolle Erektion.

Wenn der Beckenboden eines Mannes erschlafft ist, kann es nicht zu einer dauerhaften, ausreichenden Anschwellung des Gliedes kommen. Die Venen, aus denen das Blut aus den Schwellkörpern abfließt, werden normalerweise durch die Muskulatur des Beckenbodens abgepresst. Ist dies nicht mehr der Fall, kann das in die Schwellkörper einströmende Blut keine ausreichende Erektion auslösen. Egal wie hoch die Erregung auch sein mag, das Blut fließt ungehindert aus den Schwellkörpern heraus und die nötige Versteifung tritt nicht ein.

Was versteht man unter dem Beckenboden?

Beckenboden Unter dem Beckenboden versteht man das untere Bindegewebe, das die Organe der Beckenhöhle zum After hin abgrenzt. Es werden drei Teile unterschieden. Der Erste ist der »Diaphragma Pelvis«. Dies ist der hintere Beckenbodenteil, der vom Mastdarm durchbrochen wird. Der Zweite ist der »Diaphragma urogenitale«, das ist der vordere Beckenbodenteil. Als Drittes ist dann noch die Schwellkörper- und Schließmuskelschicht. Diese Schicht besteht aus drei Muskeln mit den Bezeichnungen »Musculus ischiocavernosus«, »Musculus bulbospongiosus« und »Musculus sphincter ani externus«. Von diesen Muskeln sind die beiden Erstgenannten die für die Erektion und dem Geschlechtsverkehr bedeutsamen. Der letzte Muskel ist, man ahnt es schon, der Schließmuskel des Mastdarmes.

Der »Musculus ischiocavernosus«

Der Name dieses, für die Erektion besonders wichtigen Muskels, kann man kaum ins Deutsche übersetzen. Er bezeichnet die Lage, in der dieser Muskel am Beckenboden verläuft und könnte mit »Muskel, der vom Gesäß zu Schwellkörper verläuft« beschrieben werden. In der Tat läuft dieser Muskel parallel zu den inneren Schwellkörpern des Penisschaftes und ist maßgeblich für die Drosselung des zurücklaufenden Blutes verantwortlich. Wenn dieser Muskel ohne Spannkraft ist, bleibt jeder Versuch eine Erektion aufzubauen ohne Erfolg. Doch vorab die gute Nachricht: Der Muskel kann sowohl reflektorisch als auch willkürlich angespannt werden, davon später mehr.

Der »Musculus bulbospongiosus«

Unterstützend zum »Musculus ischiocavernosus« umschließt dieser Muskel den Penisschaft. Er dient zum völligen Entleeren der Harnröhre und zur Unterstützung der Ejakulation. Zusätzlich begünstigt er den Blutfluss in die Penisschwellkörper (corpus cavernosum). Auch dieser Muskel kann willkürlich und reflektorisch angespannt werden.

Was ist Beckenbodengymnastik?

Unter dem Begriff Beckenbodengymnastik, Beckenbodentraining oder auch nach seinem Erfinder, Arnold H. Kegel (1894–1981), Kegelübung genannt, versteht man die Festigung des Beckenbodens durch geeignete Gymnastik. Das Training ist für viele Menschen schwierig, weil die Muskeln verborgen sind und nicht zu den Muskeln zählen, die normalerweise bewusst beansprucht werden.

Der erste Schritt zu einem erfolgreichen Beckenbodentraining ist die Konzentration auf diesen. Durch gezielte Anspannung werden dann die einzelnen Muskeln bzw. Muskelgruppen trainiert. Es wird empfohlen, die Übung zunächst mit einer geschulten Person zusammen durchzuführen. Kombiniert mit der Stärkung des Beckenbodens wird gerne auch das gesamte Becken und die Rückenmuskulatur mit in die Übungen einbezogen.

Geeignet ist das Training für jedermann, der nicht durch eine frische Operation oder Entbindung belastet ist. Wird das Training regelmäßig und korrekt durchgeführt, stärkt es die Beckenbodenmuskulatur und dient so der Vorbeugung zahlreicher Krankheiten. Neben der Erektionsstörung wird Harninkontinenz bei Prostataleiden gelindert bzw. geheilt. Zusätzlich wird die vorzeitige Ejakulation beim Geschlechtsverkehr erfolgreich kuriert.

Für den Mann, der Hilfe bei Erektionsstörungen sucht, hat das Beckenbodentraining zahlreiche weitere Vorteile. Die Nebenwirkungen der Medikamente entfallen komplett. Hitzewallungen und Dauererektionen, wovon nach der Einnahme gängiger Medikamente zur Erektionsverbesserung immer wieder berichtet wird, sind bei der Anwendung einer durchdachten Gymnastik noch nie vorgekommen. Zudem hat Beckenbodentraining etliche angenehme Begleiterscheinungen. Durch die verbesserte Muskelspannung ist die Körperhaltung aufrechter und der Gang wird fließender. Dies hat wiederum eine direkte wohltuende Wirkung auf die Psyche. Menschen mit trainiertem Beckenboden sind vitaler und kontaktfreudiger.

Darüber hinaus wird das Liebesleben bereichert. Der Akt endet wieder mit einem Samenerguss und nicht mit dem Abbruch aus mangelnder Kondition.

Wie gut hilft Beckenbodengymnastik?

Selbst bei einer diagnostizierter veno-okklusive Dysfunktion (venöses Leck) möchten nicht alle Männer Medikamente einnehmen. Zahlreiche Studien belegten, dass die Hauptursache einer Erektionsstörung, selbst bei ausreichendem arteriellen Blutstrom, der ungehinderte Abfluss des Blutes ist. So wirken alle bekannten Medikamente in erster Linie dahin gehend, diesen Rückfluss zu minimieren. Zur großen Verwunderung stellten Ärzte fest, dass nach nur wenigen Stunden Beckenbodengymnastik die Erektionsfähigkeit der Probanden ähnlich stark zunahm, wie nach der Einnahme gängiger Medikamente.

Genau besehen ist dies wenig verwunderlich. Die Medikamente zielen darauf ab, genau diese Muskeln zu beeinflussen. Was Physiotherapeuten mit Training erreichen, das wird von den Medikamenten chemisch über Enzyme gesteuert. Das Ergebnis ist praktisch gleich. Bei einer sexuellen Erregung kommt es zu der gewünschten Erektion, die durch Beckenbodengymnastik genau so ausgeprägt ist wie die durch gängige Medikamente.

Wie trainiere ich meinen Beckenboden?

Um einen wirklichen Erfolg zu haben, muss der Beckenboden regelmäßig, am Besten sogar täglich, trainiert werden. Geräte braucht man als Mann für das Training keine. Weil die Übungen im Wesentlichen auf das Anspannen bestimmter Muskeln im Unterbauchraum basieren, kann man das Training sogar heimlich im Büro durchführen.

Im Folgenden eine Anleitung für das Erlernen der Beckenbodengymnastik. Falls sich der gewünschte Erfolg nicht einstellen sollte, suchen Sie bitte eine Fachkraft auf! Obwohl man im Prinzip nichts falsch machen kann, ist es dennoch gut möglich, dass wesentliche Prinzipien der Gymnastik falsch umgesetzt werden. Das Training zeigt dann nicht den gewünschten Erfolg und es wurde u. U. viel Zeit vergeudet. Bei der folgenden, möglichst einfach gehaltenen Anleitung, wurde großen Wert auf eine gute Umsetzbarkeit und einen nachhaltigen Erfolg gelegt.

Einführung in das Training

Um einen wirklichen Erfolg zu erzielen, sollte am Anfang die richtige Atmung im Mittelpunkt stehen. Legen Sie sich dazu in einer ruhigen Umgebung auf den Rücken. Ziehen Sie die Füße zu Ihrem Gesäß und grätschen sie die Beine leicht. Nehmen Sie einen Hocker oder eine Decke zur Hilfe. Die Haltung sollte möglichst bequem sein und die Bauchdecke entlasten. Ihre Hände legen Sie locker auf den Bauch, damit sie sich atmen spüren. Atmen sie nun gleichmäßig ein und aus und achten darauf, wie sich ihre Bauchdecke beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt.

Stellen Sie sich vor, ihr gesamter Bauch wäre eine Lunge. Füllen sie den Bauch mit Luft, weiten sie beim Einatmen die gesamte Bauchhöhle und spüren, wie die Luft ihre Muskulatur dehnt.

Beim Ausatmen pressen sie die Luft ein wenig und lassen sie zwischen den Lippen zischen. Das hört sich an, wie ein entlastendes »Pfff ...« nach einer großen Anstrengung. Genießen Sie das Gefühl, das sich bald einstellen wird. Spüren Sie ihre Muskeln im Bauch, im Becken und im Brustkorb.

Die Übung sollte etwa zehn Minuten dauern. Danach strecken Sie sich, atmen tief ein und machen nach einer kleinen Pause mit den folgenden Übungen weiter. Wichtig: Sie müssen die Atemübung beherrschen, um weiter machen zu können. Ist Ihre Atmung verkrampft und nicht entspannt, haben die weiteren Übungen keinen Sinn. Warten Sie einfach ein wenig und versuchen es dann erneut. Will es trotz mehrfacher Versuche nicht klappen, sollten Sie einen entsprechenden Kurs mit fachkundiger Anleitung belegen.

Übungen, um den Beckenboden wahrzunehmen

Die Anspannung des Beckenbodens ertasten Männer am einfachsten an der Peniswurzel oder am Damm. Das ist der Bereich zwischen After und Hodensack. Nehmen Sie die gleiche Stellung ein, die Sie auch bei der Atemübung eingenommen haben. Dann ertasten Sie den Damm bzw. die Peniswurzel. Spannen Sie nun der Reihe nach Gesäßmuskulatur und Beinmuskulatur an. Ziehen Sie den After zusammen und drücken Sie ihre Harnröhre ab. Stellen Sie dich dazu vor, Sie wollten eine Blähung in sich halten oder den Urin anhalten.

Halten Sie die Spannung einige Sekunden, dann lassen Sie locker und konzentrieren sich auf die Muskulatur in ihrem Becken. Es geht darum, dass Sie ein Gefühl bekommen, wann Sie Ihre Muskeln dort angespannt bzw. gelockert haben.

Üben Sie so lange, bis dass Sie wirklich ein Gefühl dafür haben, wann Ihre Beckenbodenmuskulatur angespannt ist. Sie können die Anspannung stets mit dem Erstasten des Dammes bzw. der Peniswurzel überprüfen.

Weiterführende Techniken

Die ersten Übungen werden alle in Rückenlage ausgeführt. Die Beine sind hochgelagert und Bauch samt Beckenboden sind entlastet. Später, wenn Sie spüren, wann Ihre Muskeln dort gespannt sind, können Sie flacher liegen oder eine ganz andere Haltung einnehmen. Im Prinzip können Sie liegen oder sitzen, das ist völlig egal.

Konzentrieren Sie sich zunehmend auf die Kraft, mit der Sie die Muskeln anspannen. Dies ist wichtiger, als die Dauer der Anspannung. Mit dem Fortschritt Ihrer Wahrnehmung beziehen Sie die Atmung mit in die Übungen ein. Spannen Sie beim Ausatmen an und lassen beim Einatmen locker. Nehmen Sie nach und nach andere Muskelgruppen mit hinzu. Ziehen Sie bei der Anspannung Ihren Bauch ein, das stärkt weitere wichtige Muskeln.

Versuchen Sie diese Übungen am Anfang täglich durchzuführen. Es geht, wie schon gesagt, fast überall.

Spezielle Übungen für den betroffenen Mann

Stellen Sie sich vor, Ihre Eichel sei der Kopf einer Schildkröte. Ziehen Sie die Eichel immer wieder für einige Sekunden zurück in Ihren Bauchraum. Dann verringern Sie den Abstand zwischen After und Penis, um diesen dann zum Bauchnabel hochzuheben. Das stärkt die erwähnten Muskeln zur Erektionsfähigkeit enorm. Zusammen mit der Übung, den Harn anhalten zu wollen, sind das die besten Übungen, die man für ein erfolgreiches Training gegen Impotenz anraten kann.